Schädlinge in der Küche – was nun?

Montag 03. August 2015

Jeder kennt sie, keiner mag sie. Wer Käfer, Läuse, Mäuse, Milben und Schaben in der Küche hat, verschweigt es lieber. Dabei wäre ein offener Umgang sinnvoll. Deshalb wird die Schädlingsbekämpfung bei der nächsten Staffel der Witty-Seminare Praxiswissen für Führungskräfte umfassend thematisiert.

Käfer, die durchs offene Fenster kommen; Mäuse, die auf Paletten versteckt, in die Großküche gelangen; Milben, die in abgepackt angelieferten Lebensmitteln schlummern: Auch umfassende Küchenhygiene kann einen Schädlingsbefall nie ganz ausschließen. Eine gute Herstellungspraxis (GHP) und ein integriertes Pestmanagement (IPM) sind daher Pflicht.

Schädlingsbekämpfung hat viele Facetten und noch mehr Ansätze. Auf jedem Fachseminar im Herbst wird ein Experte das Thema aus ihrer Sicht behandeln:
–    Bärbel Holl, Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung (VFöS)
–    Andreas Beckmann, Bundesgeschäftsführer des DSV (Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband)
–    Dr. Anton Hasenböhler, freiberuflicher Schädlingsbekämpfungsexperte, früher bei Ketol AG.

„Die große chemische Keule sollte man nicht immer gleich schwingen“, sagt Dr. Anton Hasenböhler, der freiberufliche Schädlingsbekämpfungsexperte aus der Schweiz. Er kümmere sich vorrangig um die Ursachen für den Schädlingsbefall. Da böten sich dann auch oft einfache Lösungen an. Fliegen? „Da tut es ein Fliegengitter.“ Mäuse? „Fallen oder Köter auslegen.“ Maden? „Man muss regelmäßig die Schubladen der Heimbewohner kontrollieren, da sie oft Essensvorräte bunkern.“ Schaben? „Mit einem Gel kann man die Insektizidmenge um den Faktor 1000 reduzieren“, sagt Lebensmittelingenieur Hasenböhler. Seine Erfahrung nach 25jähriger Tätigkeit im Bereich Schädlingsbekämpfung: „Das wichtigste Material ist Papier – für die saubere Dokumentation.“

„Ich bin keine Berufskillerin“, sagt Bärbel Holl, Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung (VFöS). Kunden zu beraten, ihnen Lösungen aufzuzeigen und sie gegebenenfalls zu Verhaltensänderungen anzuregen, sei ein wichtiger Teil ihres Berufs. Zwischen gut und böse, biologisch und chemisch, lässt sich bei der Schädlingsbekämpfung nicht so einfach unterscheiden. „Es gibt überall gute und schlechte Schädlingsbekämpfer“, hat Bärbel Holl festgestellt, die im Prüfungsausschuss der Kammer in Krefeld Schädlingsbekämpfer beurteilt. „Auch biologische Mittel müssen toxische Wirkung haben, sonst würden die Tiere nicht absterben“. Man könne die Schädlinge möglichst ohne Folgeschäden vernichten. „Jeder Schädlingsbekämpfer hat nach der Gefahrstoffverordnung die Mittel mit der geringsten Toxizität für Mensch, Tier und Umwelt anzuwenden.“  

„Ich bin ein Verfechter davon, die chemische Keule so spät wie möglich auszupacken“, sagt Andreas Beckmann, Bundesgeschäftsführer des DSV (Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband) mit rund 250 Mitgliedsbetrieben. Der ideale Berufskollege robbe zunächst zwei Stunden auf den Knien mit der Taschenlampe durch die Küche, um die Ursachen zu ergründen. „Die Kunden könnten viel mehr Beratung erhalten, als sie es oft nachfragen“, meint Beckmann, der selbst Koch gelernt hat. In seiner Küche machte er damals ungewollt Bekanntschaft mit Mäusen und Schaben. „Jeder benötigt Schädlingsbekämpfung, doch die wenigsten reden darüber“. Zumindest auf den Witty-Küchenseminaren im Herbst soll sich dies ändern.

Seminarübersicht

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