Antibiotika-Resistenz wird zur globalen Gefahr

Montag 06. April 2020

Das Problem ist längst bekannt, doch die Lage spitzt sich zu. An Antibiotika-resistenten Keime drohen weltweit bald mehr Menschen zu sterben als an Krebs.
 
Nach einer fundierten Studie des Ökonomen Jim O’Neill könnte sich die Zahl der Todesopfer bis 2050 verzehnfachen. Zehn Mio. Menschen würden dann jährlich an antibiotika-resistenten Keimen sterben. Es wäre damit die häufigste Todesursache.

Der Grund: Immer mehr herkömmliche Keime können nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden. Neue Medikamente kommen nicht auf den Markt, weil die Forschung und Entwicklung für Chemiefirmen offenbar nicht lukrativ genug ist. „Wenn wir das Problem allein dem Markt überlassen, werden die neuen Antibiotika, die wir so dringend brauchen, nicht im erforderlichen Zeitrahmen entwickelt“, befürchtet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

„Desinfektionsmittel haben vor dem Hintergrund der Zunahme der Antibiotika-Resistenzen und dem epidemischen Auftreten bzw. der Ausbreitung gefährlicher Viren eine zunehmend wichtige Bedeutung erhalten“, konstatiert der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH). Auf die Händehygiene kommt es an. Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Irrglauben, werden Keime nämlich nicht gegen Desinfektionsmittel resistent.

Das ist nicht die einzige Fehlinformation zu diesem Thema. So ist es irreführend, wenn von Krankenhaus- oder Killerkeimen die Rede ist. Antibiotika-resistent werden völlig normale Bakterien wie Pseudomonas, die seit Urzeiten existieren. Es gibt keine neuen (Killer-)Keime. Auch die Bezeichnung von MRSA als Krankenhaus-Keim ist falsch. Die meisten Menschen, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, tragen bereits den Keim in sich. Zum Problem wird es erst, wenn die MRSA-Bakterien über Wunden in den Körper gelangen und eine Infektion auslösen. Infektionen mit multiresistenten Keimen sind schlecht zu behandeln, weil die meisten Antibiotika gegen diese Erreger nicht wirken.


Antibiotika und Corona: 

 

Allein in den USA stecken sich jährlich 2 Mio. Menschen mit Antibiotika-resistenten Erregern an. Im Jahr sterben weltweit rund 700.000 Menschen daran; Tendenz: stark steigend. Eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Antibiotika-Resistenzen spielt eine schnellere und bessere Diagnostik, da es zu lange dauert, bis feststeht, welcher Keim wirklich eine Entzündung hervorgerufen hat.

Längst hat das Problem auch eine enorme wirtschaftliche Tragweite erreicht: 2009 gaben die USA rund 11 Mrd. US-Dollar für Antibiotika-Therapien aus. Die Kosten für die Wirtschaft (Ausfall am Arbeitsplatz, Krankenhausaufenthalt etc.) werden auf ca. 20 Mrd. US-Dollar beziffert.

TV-Tipp: Der 100minütige Dokumentarfilm Resistance Fighters basiert auf der O’Neill-Studie und veranschaulicht die dramatischen Folgen. Er lief auf Arte und ist jetzt im Internet bei Amazon abrufbar (Kosten: 3,99 €).


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